Finanzpolitik
05.04.2016, 12:00 Uhr
 
Nur Bares ist Wahres
"Ohne Bargeld kann der Bürger sein erarbeitetes und erspartes Vermögen nicht mehr vor dem Zugriff des Staates schützen"
Interview mit Albrecht Geier zur Diskussion um die Abschaffung des Bargelds im "Mittelstands Magazin" (Ausgabe 4/2016 S. 8).
Die Fragen stellte Günter F. Kohl.
Seit dem Ende des Tauschhandels haben wir den Bargeldverkehr. Hat der nun ausgedient?
 
Albrecht Geier:
Die EZB möchte den 500-Euro-Schein abschaff en, und der deutsche Finanzminister möchte eine Barzahlungsobergrenze von 5.000 Euro  einführen. Das sind in der Tat rückwärts gerichtete Signale in die Zeit des Tauschhandels. Wer also künft ig auf dem freien Kraft fahrzeugmarkt ein gebrauchtes Fahrzeug kaufen oder verkaufen möchte, wird schnell an die einengende, zwanghafte und bevormundende, angedachte  Barzahlungsobergrenze stoßen.

In den USA gilt jemand, der nur Bargeld mit sich führt und nicht über ein halbes Dutzend Kreditkarten verfügt, als nicht kreditwürdig. Ist das nur eine Mentalitätsfrage?
 
Geier:
Wenn die Kreditwürdigkeit von der Anzahl der Kreditkarten abhängig  gemacht wird, dann gute Nacht! Erinnern wir uns daran, dass nach  Ausbruch der Finanzkrise in den USA, u. a. mitbedingt durch die hemmungslose private Hausfi nanzierung, immer wieder vor den schlummernden Risiken der Kreditkartenverschuldung gewarnt wurde. Bargeld ist erstklassig! Wer bar bezahlt, ist unverdächtig! Gott sei Dank ist auch der Präsident der Deutschen Bundesbank ein Freund des Bargeldes.

Was oder wer steckt hinter den Absichten, Bargeld abzuschaffen?
 
Geier:
Ohne Bargeld kann der Bürger sein erarbeitetes und erspartes Vermögen im Zweifel auch nicht vor dem mittelbaren Zugriff des Staates schützen. Er kann sein Geld nicht mehr von der Bank abheben und zu Hause sicher verwahren. Die hemmungslose Staatsverschuldung, die über eine verantwortungslose Geldschöpfungspolitik der EZB gestützt und aufrechterhalten wird, zeigt anhand der Negativzinsen, wohin die Reise geht. Inzwischen bezahlt bereits der Gesundheitsfonds für die Krankenkassenbeiträge der Versicherten Negativzinsen, somit sind die negativen Zinsen im Alltag eines jeden Bürgers angekommen! Mit der Barzahlungsobergrenze soll Bargeld zum „Kleingeld“ degradiert werden. Schließlich, so will man dem Bürger weismachen, ist die Obergrenze von 5.000 Euro für die Alltagsbedürfnisse doch schon großzügig bemessen und für die Alltagsbedürfnisse der „Untertanen“ ausreichend.

Warum sollten wir also am Bargeld festhalten?
 
Geier:
Ohne Bargeld sind wir Bürger den negativen Zinsen unentrinnbar ausgeliefert; ohne Bargeld gibt es keinen Datenschutz des Bürgers  gegenüber dem Staat; ohne Bargeld gibt es nur noch gläserne Bürger; ohne Bargeld gibt es keine Zinsbremse für Negativzinsen! Bargeld ist gewachsenes Vertrauen in die Werthaltigkeit und Stabilität dieses Tauschobjektes. Dieses Vertrauen ist so gewachsen, dass Währungen, mit denen der Welthandel abgewickelt wird, nicht mehr eins zu eins mit Gold hinterlegt sind. Deshalb schwächt schon die Diskussion um eine Barzahlungsobergrenze den Euro als internationale Währung. Wir dürfen nicht vergessen, dass von den 614 Millionen 500-Euro-Scheinen schätzungsweise 20 Prozent nicht im Euroraum gehalten werden. Es ist fatal, über die angekündigte Barzahlungsobergrenze das Vertrauen in das deutsche Bargeld als Wertspeicher zu untergraben. Ich erinnere daran, wie die griechischen Geldautomaten noch vor kurzem dem Bankkunden nur rationierte Mengen an Bargeld ausspuckten. Es kann also gar keine Rede davon sein, dass es sich bei der Diskussion um die Bargeldbegrenzung nur um eine „Nonsensdiskussion“ mit „karnevalistischen Zügen“ handele.

Was denkt der deutsche Mittelstand, was würden Sie tun?
 
Geier:
Die deutsche mittelständische Wirtschaft ist exportorientiert. Export und Import brauchen einen zuverlässigen Euro! Die MIT hat dem Vorhaben zur Einschränkung des Bargeldverkehrs durch eine Barzahlungsobergrenze und die Abschaff ung des 500-Euro-Scheins eine klare Absage erteilt. Eine starke Währung braucht auch große Geldscheine; Europa braucht in meinen Augen deshalb den 1.000-Euro-Schein!

Die Ausgabe 4/2016 des "Mittelstands Magazins" können Sie hier downloaden!
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