Internationales Parlamentsstipendium (IPS)

Der Deutsche Bundestag vergibt mit der Freien Universität Berlin, Humboldt-Universität zu Berlin sowie der Technischen Universität Berlin jährlich etwa 120 Stipendien für junge Hochschulabsolventen aus 41 Nationen. Das Programm dauert jedes Jahr vom 1. März bis zum 31. Juli.

Das Programm steht unter der Schirmherrschaft des Bundestagspräsidenten.

Ziele sind:

  • Beziehungen zwischen Deutschland und den Teilnehmerländern zu fördern
  • demokratische Werte und Toleranz zu festigen
  • Verständnis für kulturelle Vielfalt zu vertiefen
  • friedliches Zusammenleben in der Welt zu sichern.

Im Jahr 2015 absolviert ein junger Stipendiat aus Russland ein Praktikum in meinerm Berliner Bundestagsbüro.

Im Rahmen der ganztägigen Beschäftigung wird der Stipendiat mit den verschiedenen Aufgaben meines Abgeordnetenbüros vertraut gemacht. Wichtig ist mir dabei die aktive Mitarbeit. Dazu gehören das Abfassen von Reden, Artikeln und Briefen und die Vorbereitung der Sitzungen sowie der Einblick in meine Arbeit im Finanzausschuss und den anderen Gremien des Deutschen Bundestages. Auch ein Besuch im Leipziger Wahlkreis ist vorgesehen.



IPS-Praktikum bei Bettina Kudla

Konstantin Bogatyrev aus Russland im Interview auf www.bundesstag.deDer Deutsche Bundestag vergibt mit der Freien Universität Berlin, Humboldt-Universität zu Berlin sowie der Technischen Universität Berlin jährlich etwa 120 Stipendien für junge Hochschulabsolventen aus 41 Nationen. Das Internationale Parlaments-Stipendium (IPS)-Programm dauert jedes Jahr vom 1. März bis zum 31. Juli.

Konstantin Bogytyrev aus Moskau ist im Rahmen des IPS-Programms bis Ende Juni Praktikant in meinem Berliner Bundestagsbüro. Auf www.bundestag.de gab er ein beeindruckendes Interview:

Konstantin setzt auf den langfristig positiven Trend

„Die größten Sender sind alle vom Staat abhängig“

„Wir haben uns das nicht komplett ausgedacht“, sagt er und räumt zugleich ein, bei der Darstellung des Vorgehens der Journalisten „ein bisschen übertrieben zu haben“. Und dennoch: „Es gibt schon Momente, wo man fernsieht und denkt: Na, das war jetzt aber nicht so sachlich“, sagt der junge Russe.

Er räumt auch ein, dass die Staatsmedien in seinem Land sich ganz klar auf der Linie des Kremls bewegten. „In der letzten Zeit ist das noch schlimmer geworden. Die größten Sender in Russland sind alle vom Staat abhängig. Sie repräsentieren alle das Gleiche“, kritisiert Konstantin Bogatyrev.

„Bürgerschaftliche Passivität in der Bevölkerung“

Für ihn bedeutet das jedoch nicht, dass in Russland die Pressefreiheit abgeschafft wurde. „Es gibt auch Medien, die andere Sichtweisen darstellen. Sie haben aber nicht die finanziellen Möglichkeiten und nicht die Verbreitung der Staatsmedien“, sagt er.

Der Linie des Kremls – der Linie des russischen Präsidenten Wladimir Putin - folgt auch die überwiegende Mehrheit in der Bevölkerung, so scheint es zumindest aus deutscher Sicht. Der Eindruck sei nicht ganz falsch, sagt Konstantin Bogatyrev und begründet dies mit der „bürgerschaftlichen Passivität“ in der Bevölkerung, die eine der Voraussetzungen für die russische Politik in den letzten Jahrzehnten gewesen sei. „Die Russen sind daran gewöhnt, nichts ändern zu können. Das führt dazu, dass sich viele gar nicht mehr um Politik kümmern“, präzisiert er.



IPS-Stipendiat Konstantin Bogatyrev © DBT/photothek.net

„Ich mag die deutsche Sprache“

Viele, aber eben nicht alle. Konstantin Bogatyrev etwa hat ein großes Interesse an Politik, was auch eine Folge seines Studiums an der „besten Universität Russlands“ ist. Bei seinem Studium der Wirtschaftswissenschaft an der weltbekannten Lomonossow-Universität in Moskau habe er viel von seinen Kommilitonen gelernt und sei so in die politische Diskussion hineingezogen worden, erzählt er.

An der Uni hat er auch begonnen Deutsch zu lernen – mit 18 Jahren. Heute – fünf Jahre später – spricht er nahezu fehlerfrei. Dass er sogar deutsche Vorfahren vorweisen kann, hat damit aber nichts zu tun. „Meine Oma mütterlicherseits ist zwar eine Russland-Deutsche, hat aber mit mir nie Deutsch geredet“, erzählt er. Eine zusätzliche Motivation, Deutsch zu lernen, sei die verwandtschaftliche Vorprägung allemal gewesen. „Aber nicht die einzige“, betont er. „Ich mag die deutsche Sprache, und ich mag auch Deutschland.“

„In der Zukunft wird sich alles ändern“

Dennoch sieht er seine Zukunft in Russland, auch wenn sich Konstantin Bogatyrev derzeit noch in der Abschlussphase seines Master-Studiengangs an der Humboldt-Universität Berlin befindet. Der 23-Jährige kann sich sogar vorstellen, später einmal in die Politik einzusteigen. „Heute gibt es leider wenige Chancen, sich politisch zu engagieren und Initiativen voranzubringen“, sagt er und blickt dennoch optimistisch nach vorne. „In der Zukunft wird sich alles ändern. Die Geschichte der Menschheit hat gezeigt: der langfristige Trend ist immer positiv. Wir werden in Russland nicht ewig mit der heutigen Regierung leben“, lautet seine Prognose.

Derzeit plagen Russland allerdings erhebliche Probleme. Da ist zum einen die Wirtschaftskrise. „Viele Fachleute befürchten, dass wir in eine Situation geraten könnten, wie es in Argentinien der Fall war, wo das Land und die Wirtschaft über Jahrzehnte stagnierten“, sagt der Wirtschaftswissenschaftler.

„Zu viele Barrieren für investitionsfreudige Unternehmen“

Nur die EU-Sanktionen und den fallenden Ölpreis für die Situation verantwortlich zu machen, ist aber seiner Ansicht nach falsch. „Bei uns gibt es nach wie vor Korruption und zu viele Barrieren für investitionsfreudige Unternehmen“, sagt Konstantin Bogatyrev und fügt als Beleg hinzu: „Die Stagnation in Russland hat noch vor den Sanktionen angefangen und auch noch bevor der Ölpreis gesunken ist.“

Stichwort Sanktionen. Anlass dafür war ja die Annexion der Krim und das russische Engagement in der Ostukraine. Sieht er denn die Gefahr, dass sich der Konflikt auch räumlich ausweitet? Dass ganz Europa in einen Krieg gezogen wird? Nein, sagt er ganz deutlich. „Ich habe kein Verständnis für derartige Ängste, die offensichtlich viele Leute und vor allem die Medien etwa in den baltischen Ländern und Polen haben. Die dortige Situation ist mit der in der Ukraine nicht vergleichbar“, findet er.

„Angst vor einem russischen Majdan“

Was den Krieg in der Ukraine angeht, so geht auch Konstantin Bogatyrev inzwischen davon aus, dass russische Soldaten auf ukrainischem Territorium präsent sind. „Dafür gibt es Beweise, die man nicht ignorieren kann“, findet er. Ein „Expansionskrieg“ – wie gelegentlich unterstellt wird – führe die russische Regierung aber nicht, schätzt er ein.

„Meiner Meinung nach geht es vor allem darum, der russischen Bevölkerung zu zeigen: Ein Regierungsumsturz führt zu negativen Konsequenzen“, sagt der Russe. Im Kreml, so Konstantin Bogatyrev weiter, habe man eine unglaubliche Angst vor einem russischen Majdan.

„Brücken zwischen Ost und West wieder aufbauen“

Ängste habe die russische Bevölkerung inzwischen auch vermehrt vor „dem Westen“, wie Umfragen zeigten. „Diese Ängste werden von den Medien und der Politik bei uns gezielt befördert“, sagt er und versucht sich in einer Erklärung: In Russland sei es ziemlich leicht, die Meinung der Bevölkerung gegenüber dem Ausland zu manipulieren, da das Land in gewissem Sinne isoliert sei. „Zwei Drittel der Bevölkerung waren niemals im Ausland und haben daher viele Vorurteile und keine eigenen Erfahrungen. Daher glauben sie, was sie im Fernsehen sehen oder in der Zeitung lesen“, lautet seiner Einschätzung.

Es wird also in der Zukunft auch auf auslandserfahrene Menschen wie Konstantin Bogatyrev ankommen, wenn es darum geht, die Brücken zwischen Ost und West wieder aufzubauen. Einen Schritt dazu könnte nach Ansicht des 23-Jährigen die Fußball-Weltmeisterschaft 2018 bringen. Einen Boykott des in Russland stattfindenden Turniers lehnt er ab, obwohl er eigentlich eher nicht so fußballinteressiert ist.

Mitglied bei Amnesty International

„Wenn solche großen Sportereignisse stattfinden, erweckt das große Aufmerksamkeit in der ganzen Welt für die Probleme des Landes und bringt auch die Regierung ein bisschen in Bewegung, um diese Probleme anzugehen“, glaubt er und verweist auf die Olympischen Winterspiele in Sotschi 2014: Infolge einer den Spielen vorausgegangenen Amnestie seien unter anderem der Putin-Kritiker Michail Chodorkowski und die Sängerinnen der Band Pussy Riot freigelassen worden.

„Es waren die Leute, für die sich Amnesty International eingesetzt hat“, sagt Konstantin Bogatyrev, der im Übrigen selber Mitglied bei der Menschenrechtsschutz-Organisation ist. „Die Winterspiele haben geholfen, eine erfolgreiche Kampagne für die Menschenrechte durchzuführen. Ich möchte darauf hoffen, dass Russland auch weiter bedeutende Sportereignisse austragen wird und ein Teil der internationalen Gemeinschaft bleibt“, lautet sein Plädoyer. (hau/13.04.2015)

Das Interview ist auf der Webseite von www.bundestag.de veröffentlicht.


 

 




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